Familien im Zentrum:                familienfreundliche Kommune


Bericht von der Abschlussveranstaltung des Modellprojektes am 30.11.2017 in Dresden

Ein Bericht von Regine Scheffer


In diesem Jahr zeigte es sich erneut: Die Notwendigkeit, Familien wieder stärker in den Blick zu nehmen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich entfalten können, wird zunehmend als wichtige politische Querschnittsaufgabe wahrgenommen. Schon der 2016 erfolgreich durchgeführte Fachtag hierzu war auf breite Resonanz gestoßen und hatte den Anstoß gegeben, weiterzuarbeiten und kommunale Entscheidungsträger für die Belange von Familien zu sensibilisieren.

 

So hatten sich in diesem Frühjahr viele sächsische Kommunen für die Teilnahme an dem Modellprojekt „Familienfreundliche Kommune 2017“ beworben. Mit zwei von ihnen – Arzberg und Hainichen – konnte der Deutsche Familienverband LV Sachsen e.V. in bewährter Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen e.V. das Modellprojekt durchführen, das am 30. November im Haus der Kreuzkirche in Dresden seinen diesjährigen Abschluss fand.


Moderiert von Antje Hermenau begann die Veranstaltung mit einem Grußwort der DFV-Vorsitzenden Beatrix Schnoor, die das Anliegen des Tages kurz auf den Punkt brachte:“Wir wollen heute über die Rahmen-bedingungen reden und darüber, was Kommunen davon haben, familienfreundlich zu sein“.

 

Nach ihr sprach Herr Köhn, ein Vertreter des Sächsischen Sozialministeriums für Soziales und Verbraucher-schutz über die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und sicherte dabei die weitere Begleitung des Projektes zu.

 

Den Reigen der Begrüßungsworte beendete Frank Kupfer, MdL und CDU-Wahlkreisabgeordneter der Gemeinde Arzberg. Er mahnte, dass uns das Thema Familienfreundlichkeit angesichts des demografischen Wandels in Zukunft wird stärker interessieren müssen. Zugleich betonte er die Verantwortung der Familien (z.B. in der Pflege) und verwies auf die sächsischen Leitlinien zur Entwicklung des ländlichen Raumes bis 2020. Diese dienten dazu, ein gutes Leben vor Ort zu fördern (abrufbar unter diesem Link).


Aus Nürnberg waren Karin Wolf (Jugendamt, Fachberatung für Integrierte Familienarbeit in Kitas) und Hannelore Weidmann (Hortleiterin Kita Wandererstraße) angereist. Sie berichteten über das Nürnberger Konzept der „Orte für Familien“. Von den 486 Nürnberger Kitas wurden bislang 25 zu „Orten für Familie“ sowie 12 zu „Familienzentren“ ausgebaut. Diese sind jeweils mit höheren finanziellen Mitteln ausgestattet und erfüllen eine integrative Funktion, indem sie in den jeweiligen Stadtteil geöffnet sind und neben den betreuten Kindern deren Eltern in den Blick nehmen, um sie in der Erziehungsarbeit zu unterstützen.


Nach der Kaffeepause stellte Bürgermeister Holger Reinboth aus Arzberg die Projektergebnisse seiner Kommune vor. Arzberg unternimmt seit langem große Anstrengungen für Familien und kann dabei auf ein hohes ehrenamtliches Engagement zurückgreifen. So berichtete Holger Reinboth über zahlreiche Vorhaben in den Kernbereichen Verkehr/Infrastruktur (Bürgerbus), Wohnen (Förderung über LEADER), Bildung (Sicherung des Grundschulstandorts) und Zusammenhalt in der Gemeinde (Mehrgenerationenhaus O-M-A, reges Vereinsleben).

 

Hinsichtlich des Modellprojekts 2017 zog er eine gemischte Bilanz: Er lobte dessen ideenreiche Ausgestaltung und Durchführung sowie das Engagement der Projektpartner. Als Nachteile nannte er die zu kurze Laufzeit, den mangelnden Erfahrungsaustausch der Kommunen sowie die fehlende finanzielle Ausstattung des Projekts für die Beteiligten. Er plädierte für eine institutionelle Förderung von Idee und Inhalten.


Vor der abschließenden Diskussionsrunde berichtete Bürgermeister Dieter Greysinger aus Hainichen kurz über seine Gemeinde, die – im Unterschied zu Arzberg – verkehrstechnisch sehr gut angebunden ist. Als eine der größten Herausforderungen für Hainichen nannte Dieter Greysinger den hohen Arbeits- und Fachkräftemangel vor allem im Pflegebereich. In Hainichen wird das Modellprojekt erst 2018 seinen Abschluss finden.


Die Veranstaltung beschloss die DFV-Vorsitzende Beatrix Schnoor, indem sie einen wesentlichen Aspekt von Familienfreundlichkeit hervorhob: Es bedeute, den Mensch im Hinblick auf seine Beziehungen im Blick zu behalten. Vor diesem Hintergrund endete die Tagung in der Gewißheit, dass die Ergebnisse aus dem Modellprojekt verstetigt und die politischen Rahmenbedingungen geändert werden müssen, um die Kommunen in die Lage zu versetzen, das Thema Familienfreundlichkeit eigenverantwortlich und individuell vor Ort umsetzen zu können.

Das Modellprojekt „Familienfreundliche Kommune“ wird im Jahr 2018 fortgeführt und mit dem Ziel, die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu verstetigen, in dieser Form abgeschlossen werden.

 


Unser Projekt in der Presse

 

In 2017 wurde unser Projekt wie geplant mit den Kommunen Arzberg und Hainichen bearbeitet. Anbei finden Sie eine Auswahl von Presseartikeln, die in der Presse erschienen sind. Durch Klick auf das Bild können Sie eine vergrößerte Ansicht abrufen!

 

 


Fachtag des DFV Sachsen 2016

Am 25.10.2016 führten wir in Kooperation mit dem Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen e.V. (BKS) im Deutschen Hygienemuseum Dresden einen Fachtag zum Thema Familienfreundlichkeit in den Kommunen durch. Unter der Leitung des Wirtschaftsjournalisten Ulrich Hübler ging es um die Grundsatzfrage, wie die Belange von Familien, dem Grundpfeiler unserer Gesellschaft, auf allen Ebenen kommunalen Handelns berücksichtigt werden können. Zahlreiche Teilnehmer aus Kommunen, Familienzentren und der Politik aus ganz Sachsen waren der Einladung von DFV und BKS gefolgt.

 

Nach einem Impulsreferat des Politikwissenschaftlers Professor Dr. Werner Patzelt von der TU Dresden zum Auftakt der Veranstaltung wurden die unterschiedlichsten Aspekte von Familienfreundlichkeit schwerpunkt- mäßig in den Arbeitskreisen Wohnen, Verkehr, Verwaltung, Familienarbeit/Kultur/Freizeit und Zusammenleben vor Ort erörtert.

 

Im Ergebnis des Fachtags haben wir einen Leitfaden für kommunales Handeln entwickelt, den Sie hier downloaden können. Darüber hinaus führt der DFV 2017 ein Modellprojekt durch, in dem zwei Kommunen in diesem Prozeß begleitet werden.

 

Tagungsdokumentation: Download

Leitfaden für kommunales Handeln: Download

Einladung zum Modellprojekt 2017: Download