Elternbrief 6: Fernseher und Medien

Fast jeder schaut gern Fernsehen. Und ebenso wird wohl fast jeder die verregneten Sonntage kennen, die man am liebsten in eine Decke gekuschelt vorm Fernseher verbringt. Für Kinder ist jedoch längst nicht jede Sendung geeignet, die uns im Fernsehprogramm begegnet. Beispielsweise die Darstellung von Gewalt sollte vermieden werden, da, besonders Kinder unter 5 Jahren können noch nicht klar zwischen der Realität und Unwirklichem unterscheiden können. Selbst wenn diese Differenzierung möglich ist, kann man Kindern mit gewalttätigen Darstellungen verstören.
Und wie so oft lautet auch hier auf dem Weg zum bewussten Umgang mit dem Fernsehen 'Kommunikation' – Stellen Sie klare Regeln auf, die auch ein Kind nachvollziehen kann. Sprechen Sie mit dem Kind darüber, warum sie Gewaltdarstellungen für ungeeignet halten. Und halten sie sich vor allem selbst an ihre Regeln, um als gutes Beispiel vorangehen zu können.
Schauen Sie außerdem gemeinsam fern, so können Sie Ihren bewussten Umgang mit dem Fernsehkonsum nach und nach an die Kleinen weitergeben.

Selbst wenn das Programm kinderfreundlich ist, sollten Kinder nicht zeitlich unbegrenzt dem Fernsehen ausgesetzt sein. Ein Kind sollte immer auch Zeit für Spiele, Sport und Freunde haben und das Fernsehen sollte nicht die einzige Aktivität eines Kindes sein. Verteufeln sie die 'Glotze' aber nicht von grundauf, denn Verbote machen das Ganze noch wesentlich reizvoller. Suchen Sie stattdessen gemeinsam Sendungen aus dem Programm aus, die geschaut werden und für die der Fernseher eingeschaltet wird und achten Sie darauf, auch selbst den Fernseher nicht ständig nebenher laufen zu lassen, sondern bewusst und gezielt fernzusehen.

Es grüßt

Juliane Weber

5. Elternbrief: Grenzen setzen oder/ und Verbote erteilen

„Grenzen setzen und Verbote erteilen“ hört sich nach veraltertem Erziehungsstil an. „Grenzen setzen oder Verbote erteilen“ hört sich nach Alternative an und scheint moderner zu sein. Welchen Erziehungsstil bevorzugen Sie? Haben Sie überhaupt Einen? Entschuldigen Sie die provokatorische Frage, aber was ist heute richtig und vorallem förderlich für unsere Kinder? Natürlich brauchen unsere Kinder Grenzen und auch Verbote. Ein Beispiel: „ Du darfst noch eine halbe Stunde spielen, dann wollen wir gemeinsam Abendbrot essen.“ Das ist eine Be-Grenz-ung und verständlich für alle Beteiligten. Und: „Du darfst bei Rot nicht über die Straße gehen.“ ist ein Verbot und ebenso verständlich für alle Beteiligten. Was ist aber damit: „Wenn du fertig gespielt hast, kannst du Abendbrot essen kommen.“ oder „Wenn kein Auto kommt, kannst du eigentlich über die Straße geh'n.“. Da fängt das Kind nicht an zu jubeln, sondern an zu grübeln. Spätestens bei den nächsten „Wenn“ und „kann“ wird es unsicher und fängt an zu stolpern. Kinder brauchen nicht klare Ansagen, sondern verständliche Regeln und Grenzen. Diese müssen erklärt und vorgelebt werden. Uns Erwachsenen geht es doch genauso: Arbeitszeiten, Steuern, Preise, alles ist geregelt und wir halten uns daran. Gut, auf dem Markt wird auch mal gehandelt. Das machen unsere Kinder ja auch mit uns und wir handeln schön mit. Aber ansonsten halten wir uns schon an die Arbeitsverträge, Steuererklärungen und Absprachen mit Freunden. Das erleichtert nämlich unser Leben. Und so kann es auch in der Erziehung Erleichterung schaffen, wenn wir Regeln und Grenzen, ja auch Verbote erteilen. Wichtig ist es, rechtzeitig damit anzufangen. Aber das wissen sie ja auch.

Was ist aber, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, oder der eine mal Hü und der andere mal Hott sagt. Dann sind wir nicht nur rat- und hilflos, sondern dann sind wir ganz schnell am Verzweifeln. Aber es gibt Menschen, die uns helfen können, in solchen Situationen: Ärzte, Beratungsstellen, Mitmenschen. Und es ist ganz einfach. Wir müssen uns nur helfen lassen. Dieses zuzulassen ist aber eine Hürde und muss übersprungen werden. Das ist nicht ganz einfach. Das gebe ich gerne zu! Aber ich wünsche Ihnen viel Kraft dazu. Sie schaffen das schon!


Ihr Thomas Socha

4. Elternbrief: Mediation auf dem Schulhof

Was ist eigentlich Mediation? Meistens hört man als Antwort nur: Mediation ist im Kommen. Und: Mediation ist Streitschlichtung. Oder: Mediation bedeutet Mitte, wobei letzteres der Sache ziemlich nahe kommt.

Paul wird wieder einmal von Friedrich gehänselt. Er kann es bald nicht mehr ertragen. Zu Hause schwindelt er seine Eltern an: „Ich bin aus Versehen in die Pfütze gelascht und dabei ausgerutscht.“ In Wahrheit hat Friedrich die Schultasche von Paul absichtlich in die Pfütze geschmissen und ist dann zu den anderen Jungs gegangen. Paul schreibt jetzt auch mal eine Vier in Mathe. Früher wäre das nie passiert. Er war doch ein Mathe-Ass. Freunde hat er auch nicht. Friedrich?, war mal sein Freund. Paul will auch keine Freunde mehr.

Die Lösung des Problems ist doch ganz einfach. Wir nehmen Friedrich und Paul an die Hand und erklären Ihnen, dass Freunde ganz wichtig sind und sich nicht hänseln. Dann wird es sich wieder einrenken. Oder? Nein, so wird es sich nicht wieder einrenken!

Hier kann Mediation helfen. In einer Mediation wird auf die Gefühle und Bedürfnisse eingegangen. Wenn ich lerne, meine Gefühle auszudrücken, weiss ich auch, was ich brauche.

Und wie sieht das konkret bei Paul und Friedrich aus:
„Sag mal Paul, wie fühlst du dich, wenn dich ein Junge anrempelt oder deine Tasche in eine Pfütze schmeißt? Und Friedrich, wie geht es dir, wenn du mal keinen Freund hast?“

Ich wette, die beiden kommen über einen Mediator ins Gespräch und finden wieder zueinander.

 

Ihr Thomas Socha

3. Elternbrief: Finanzielle Hilfen und Subsidiarität

„Liebling, hast Du die Preise gesehen?“ fragt Ute ihren Partner Sven bei der Suche nach einer geeigneten Ferienwohnung an der Ostsee. Beide haben drei schulpflichtige Kinder und sind so auf die Hauptsaison angewiesen. „Wir wollen doch nur mal 2 Wochen an die Ostsee.“ klagt Ute und meint „Hätten wir doch früher schon einen Urlaubsplatz gesucht!“ „Ob das daran liegt?“ meint Sven und fügt hinzu: „In der Hauptsaison schrauben Die doch immer die Preise hoch!“ Eigentlich ginge auch ein Wanderurlaub im Harz oder mal „Urlaub auf Balkonien“. Aber wegen der Kinder soll es an die Ostsee geh'n. Früher ging das doch auch.

Wenn Familien Urlaub planen, dann müssen sie tief in die Tasche greifen. Manchmal ist da aber ein Loch und der Urlaub fällt aus. Was hat das nun mit Subsidiarität zu tun. Bei Wikipedia lesen wir zu diesem Stichwort: „Der Subsidiaritätsgedanke tritt unter der Bedingung ein, dass das untergeordnete Glied in der Lage ist, die Probleme und Aufgaben eigenständig zu lösen. Gleichwohl darf das kleinste Glied nicht überfordert werden und die übergeordnete Ebene soll ggf. unterstützend tätig werden.“ Das klingt logisch, aber tut sie das auch: "unterstützend tätig werden"? Nun setzen wir mal statt „das untergeordnete Glied“ „die Familie“ ein. Dann lautet der Satz: "Der Subsidiaritätsgedanke tritt unter der Bedingung ein, dass die Familie in der Lage ist, die Probleme und Aufgaben eigenständig zu lösen." Das macht Sinn! Nur bei Uta und Sven mit den Kindern Paul, Nora und Stefanie trifft das bei der Urlaubsplanung nun nicht mehr zu. Sie sind einfach überfordert. Und wenn man nun Wikipedia glaubt, soll jetzt die übergeordnete Ebene „... ggf. unterstützend tätig werden.“ Da frage ich mich, wer ist die übergeordnete Ebene von Familie, der kleinsten Zelle einer Gesellschaft. Ja!, die Gesellschaft ist die übergeordnete Ebene, zumindest jemand aus der Gesellschaft. Ob es da auch eine Adresse im Internet gibt?

Natürlich habe ich keine gefunden, dafür aber interessante Angebote. Zum Beispiel beim DFV Sachsen. Der bietet gleich zwei geförderte Ferienwochen (davon eine mit Vollverpflegung) unter: http://www.dfv-sachsen.de/familienbildung1.html an. Zwar in Sachsen, aber bezahlbar! So brauch sich die Gesellschaft also nicht weiter zu kümmern, wenn das freie Träger und Staat übernehmen. Deshalb steht wahrscheinlich auch das „ggf.“ vor „unterstützend tätig werden.“ Trotzdem bin ich jetzt ein wenig ins Grübeln gekommen. Wer ist denn nun die übergeordnete Ebene? Freie Träger oder der Staat? Oder noch andere? Und kann ich da was (ein-)fordern, wenn „ggf.“ davor steht???

 

Ihr Thomas Socha


2. Elternbrief: Beruf und Familie - zwischen Job und Abendbrot

„Spatz, Du kommst heut aber wieder spät von der Arbeit!“ entfuhr es Anne, als Gerd um 19.00 Uhr von der Arbeit kam.

„Ja, ich weiß, aber der Chef brauchte mich noch eine Stunde länger!“ sagte Gerd und hängte die Jacke an die Flurgaderobe. Eigentlich wollte er nach dem anstrengenden Tag einen Begrüßungskuss und ein „Schön, dass du wieder da bist!“ hören. Vielleicht ein anderes mal, denkt Gerd und fragt stattdessen: „Essen wir gleich Abendbrot?“ und „Wo sind die Kinder?“

So sieht es bei Familie Maier jetzt immer öfter aus. Nachdem Gerd eine Gehaltserhöhung bekommen hat, arbeitet er mehr. Er ist der Meinung, dass das nun von ihm verlangt wird. Mit Anne hat er darüber noch nicht gesprochen. Anne arbeitet verkürzt in einem Blumengeschäft. Soviel wie Gerd verdient sie lange nicht und da war es die Abmachung, dass Anne weniger arbeitet, damit die Kinder nicht in den Hort müssen. Schade eigentlich, ich liebe die Blumen und meinen Job, denkt Anne und sagt stattdessen: „Die Kinder sehen noch das Sandmännchen und kommen gleich zum Abendbrot.“

Und sie ahnen, wie es weiter geht, nach dem Abendbrot: Wäsche bügeln, Steuererklärung bearbeiten, Fragebogen der Kindergeldkasse ausfüllen und fernsehen. Gerd erzählt nicht von seiner selbstauferlegten Bereitschaft zu Mehrarbeit und Anne behält ihre Liebe zu den Blumen und zum Job für sich selbst. Darüber sprechen sie nicht. Gerd denkt an Zärtlichkeit, die er auch dringend braucht, denn auf Arbeit gibt es so etwas nicht! Dort herrscht ein rauher Ton. Anne bräuchte auch mehr Anerkennung bei ihren zwei Jobs: im Blumengeschäft und zu hause. Aber wie soll sie das Gerd sagen. Beide sind wortwörtlich geschafft mit der Familie!

Es ist keine Kunst, Familie und Beruf zu vereinbaren. Man kann es nur zusammen addieren. Und das schaffen unsere Familien auch! Aber sie brauchen Anerkennung und Unterstützung. Unterstützung dabei, dass man dem anderen sagen kann: „Du, lass uns mal gemeinsam reden, wie es früher war. Wir waren verliebt und träumten von der Zukunft. Heute übernehmen wir enorm viel Verantwortung und brauchen uns selbst aber noch viel mehr. Nimm mich in den Arm und halte mich ganz fest.“ oder „Schön, dass Du da bist.“


Der DFV Sachsen setzt sich mit seiner Elternakademie für die Stärkung der Beziehungskompetenz ein. Das hilft!

 

Ihr Thomas Socha

1. Elternbrief: Kommunikation in der Familie und zwischen den Generationen

„Du hörst mir wiedermal nicht zu!“ sagt die Mutter zu ihrer 30-jährigen Tochter. Und die Enkeltochter Sophie hört den gleichen Satz von ihrer Mutter. Hören wir alle nicht mehr zu oder wird hier ein gewisses Befinden von einer Generation auf die andere übertragen? Wie gehen wir miteinander um? Sind das reine Floskeln oder ernstgemeinte Hilferufe? „Hör mir jetzt mal zu!“ klingt da schon eher wie ein Befehl. Doch keiner weiss so richtig, ob er auch ausgeführt wird. Meistens geht es rechts rein und links wieder raus. Und das betrifft alle Generationen, ob Tochter/ Sohn, Mutter / Vater, Großmutter/ Großvater oder Urahnen. Oder nicht? Dabei ist es ganz einfach! Nur ein kleines Wort fehlt da. Sie ahnen schon, was jetzt kommt. Es fehlt das kleine Wort: Bitte. „Bitte hör mir jetzt mal zu!“ Falsch, nein, dieses Wort ist zwar hilfreich, aber ich mein ein anderes. Es fehlt das Wort: Gefühl. Natürlich soll es nicht heißen: „Gefühl, hör mir jetzt mal zu!“ Ich meine, wir sollten, auch Befehle oder notwendige Anordnungen mit Gefühl sagen. Dann geht es garantiert leichter zwischen den Generationen. Was halten Sie davon: „Sophie, ich würde mich freuen, wenn Du mir jetzt zuhörst.“ Dieser Satz geht sogar ohne Ausrufezeichen. Und bewirkt vielleicht eben das, was wir wollen. In vielen Situationen ist Zuhören nämlich lebensnotwendig: wenn das Kind über die Straße läuft und Gefahr droht. Oder wenn mir gesagt wird, wie ich mich gesund verhalten soll. Oder an der Kasse, da will ich schon richtig hören, was ich bezahlen muss, gerade im Ausland. Aber sind wir mal ehrlich: Wir hören doch nicht immer zu, auch wenn es mit dem Gefühl herüber kommt. Aber man kann es üben, das mit dem Gefühl. Und das lohnt sich! Und in die Augen schauen nicht vergessen!


Ihr Thomas Socha