Staat besteuert das Existenzminimum von Kindern
Familien sind das Wertvollste und Schönste einer Gesellschaft. Zum Internationalen Tag der Familie will der Deutsche Familienverband, Landesverband Sachsen e.V., wiederholt auf die Situation und Entwicklung der Familie hinweisen. Demographisch gesehen ist Sachsen das älteste Bundesland und wird auch in den nächsten Jahren weiter altern. Die Geburtenzahlen nehmen erfreulicherweise wieder zu, jedoch ändern sie nichts an der Tatsache, dass der erschreckende Geburtenrückgang der letzten 20 Jahre seine Folgen haben wird.
Damit Familien ihre wertvollen Leistungen für die Gesellschaft erbringen können, brauchen sie Unterstützung aller - es reicht manchmal schon, wenn sie zumindest von staatlichen Bevormundungen in Ruhe gelassen würden. Betriebliche Kindergärten gehören dabei ebenso auf die Tagesordnung, wie die lang versprochene Kindergelderhöhung. Das Vorhandensein und die Steigerung der Familienkompetenz soll sich vorteilhaft bei Bewerbungen auswirken. Mütter und Väter sind nicht nur leistungsstark, sondern durch ihre gelebte Vorbildrolle wertvolle Mitarbeiter, teamfähig und engagiert.
In der öffentlichen Debatte wird der Eindruck vermittelt, Bildung finde im wesentlichen außerhalb der Familie statt, weswegen die Kinder auch möglichst umfassend und lange unter Obhut öffentlicher Einrichtung stehen müssten. Die Überlegungen, den Bereich ‚Jugend’ aus dem Sächsischen Sozialministerium in das Kultusministerium zu überführen, könnte durch die anstehende Kabinettsumbildung verstärkt werden. Die Einrichtung eines Bildungsressorts für Kinder von der Geburt bis zur Berufsausbildung würde dem grundgesetzlichen Schutz der Familie (Art. 6) wiederlaufen und den völlig unterschiedlichen rechtlichen Status der Kinder vor und nach der Einschulung verdunkeln. Während der Staat mit der Schulpflicht ein sehr weitreichendes Zugriffsrecht hat, handelt es sich bei den außerhäuslichen Betreuungsformen vor der Einschulung um die Delegation von elterlichen Erziehungsrechten.
Der neue Landesvorsitzende des DFV Sachsen, Peter Patt, mahnt angesichts der derzeitigen Rentendiskussionen zu einer Festigung des Generationenbündnisses. Kinder seien kein öffentliches Gut, Familienfunktionen dürften nicht verstaatlicht werden. Die Erziehung sei vornehme Angelegenheit der Eltern und Familien und nicht von 'professionellem' Betreuungspersonal. Die einseitige Focussierung auf Krippenplätze begreife die Kindererziehung nicht: Die Bindung an Vertrauenspersonen finde insbesondere in den ersten drei Lebensjahren statt. Und Kinder seien auch nicht kostenlos, wenn die Hortzeit vorüber ist. Es bedürfe einer deutlichen Erhöhung der Kinderfreibeträge (derzeit 5.808 Euro pro Jahr) statt einer Besteuerung des Existenzminimums der Kinder.
184 Mrd. Euro notiert das Bundesfamilienministerium als jährliche familienpolitische Maßnahmen. Darin enthalten sind Witwenrenten ebenso wie Ehegattensplitting usw. Der Kern der materiellen Familienpolitik schrumpft nach Abzug dieser nicht auf Familien bezogenen Renten- und Besteuerungsgrundlagen auf gut 40 Mrd. Euro. Darin enthalten ist noch das Kindergeld, welches aber nur zu 1/3 Existenzförderung bedeutet, nämlich bei einkommensarmen Familien, zu 2/3 aber die Rückzahlung von ‚Diebesgut’ ist, wie es ein ranghoher Ministerialer einst definierte: Kindergeld ist die Rückgewähr verfassungswidrig erhobener Steuervorauszahlungen. Der Kinderfreibetrag auf der Lohnsteuerkarte wird nur bei der Ermittlung von Kirchensteuer und Soli einbezogen, nicht bei der Lohnsteuer. Die somit zuviel gezahlten Lohnsteuern werden erst am Jahresende mit dem Kindergeld verrechnet.
Trotz entsprechender Urteile des Bundesverfassungsgerichts besteuern die Bundesregierungen nicht nur weiterhin das Existenzminimum von Familien, sondern ziehen die Familien auch zur selbstverständlichen Finanzierung des Sozialsystems zugunsten Kinderloser heran. Es geht hier nicht um eine Interessenabwägung, sondern um eine grundgesetzlich vorgegebene Gleichbehandlung. Die staatliche Subventionierung von Pflegeheimen überwiegend für Kinderlose finanzieren die Familien ebenso wie ein Rentensystem, deren Altersschutz ihnen selber kaum gewährt wird, und die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder als zukünftig zahlende Leistungsträger für Andere.
Für Familien, bei denen es Schwierigkeiten mit der Mittelverwendung gibt, sollten Gutscheinlösungen eingeführt werden. Zur Vermeidung von Problemlagen bedarf es einer ständigen Erneuerung von Familien(aus)bildung für Eltern und auch Großeltern, letztlich schon der Neuntklässler auf dem Weg zum Erwachsenwerden.